Beitrag vom 1. November 2022

Projekt Radheldinnen: „Endlich habe ich Radfahren gelernt!“

Das Projekt „Radheldinnen“ unterstützte Frauen mit Migrationserfahrung dabei Radfahren zu erlernen und zugänglicher zu machen. Denn nicht alle haben denselben Zugang zu dieser klimafreundlichen, gesunden, günstigen und praktischen Mobilitätsform.

Radfahren ist nicht selbstverständlich

Radfahren kann doch jede(r), meinen viele, die in Österreich aufgewachsen sind. Doch wenn wir unseren Blickwinkel weiten, ist Radfahren nicht selbstverständlich: Um in den Genuss des Radfahrens zu kommen, muss man zumindest die Fähigkeit des Radfahrens einmal erlernt haben und ein passendes Fahrrad nutzen können. Hilfreich sind auch ein soziales Umfeld, in dem Fahrrad gefahren wird sowie die Kenntnis der Straßenverkehrsregeln. In vielen Ländern sind radfahrende Frauen allerdings eine Ausnahmeerscheinung, daher gibt es auch in Österreich viele Frauen, vor allem aus Herkunftsländern außerhalb des europäischen Raums, die nicht Radfahren können. Für diese Frauen wurde das Projekt Radheldinnen entwickelt.

Projektrückblick

Radkurse für Anfängerinnen

Ziel des Projekts Radheldinnen war und ist, Frauen Mut zu machen, Radfahren zu erlernen oder Radfahren für sich zu entdecken. Eine praktische Hilfestellung dazu gab es in zwei Radkursen für erwachsene Fahr-Anfängerinnen, die in Kooperation mit den Vereinen Arcobaleno und Volkshilfe organisiert wurden. Die Radkurse bestanden aus fünf Terminen und haben im Mai und Juni in Linz und Vöcklabruck stattgefunden.

Für jede ein eigenes Fahrrad – finanziert durch Radpat:innen

Die von der Volkshilfe StVO-konform aufbereiteten Second Hand-Kursräder wurden durch Spenden von Radpat:innen finanziert und den Kursteilnehmerinnen nach Ende des Kurses für einen symbolischen Beitrag von 10€ zur Verfügung gestellt. In einem Reparaturworkshop konnten die Teilnehmerinnen anschließend noch Radreparatur-Basics erlernen.

Radheldinnen-Postkarten

Sechs verschiedene Radheldinnen-Postkarten wurden produziert und liegen nun bei migrantischen Organisationen auf. Die Frauen am Rad, die von den Postkarten lachen, repräsentieren Vielfalt und laden mit einer kurzen, ermutigenden Botschaft zur Nachahmung ein: „Radfahren ist Freiheit.“, bringt es zum Beispiel Dunia auf den Punkt.

Bildungsmaterialien – In Deutschkursen über das Radfahren lernen

Um möglichst viele Frauen zu erreichen, wurden auch Deutschkursmaterialien zum Thema Radfahren erstellt. Kursanbieter können die Bildungsmaterialien kostenlos verwenden.

Radfreundinnen zum Weiterradel

Freiwillige „Radfreundinnen“ trafen sich mit Kursteilnehmerinnen nach dem Radfahrkurs, um Radausflüge zu unternehmen, das Radfahren nach dem Kurs weiter üben und dabei zu unterstützen, Radfahren in den Alltag zu integrieren. Wer Interesse an dieser ehrenamtlichen Begleitung hat, kann sich nach wie vor beim Projektteam melden.

Stimmen zu Radheldinnen

Ich bin sehr dankbar für den Kurs, durch den konnte ich nach 21 Jahren endlich Radfahren lernen. Ich wäre sicher nicht zurecht gekommen, wenn ich einen Kurs selbst bezahlen hätte müssen. Ihr Lehrerinnen wart sehr geduldig mit uns und habt immer Verständnis gehabt, auch wenn die Sprachbarrieren manchmal vorgekommen sind.
Auch mit dem Fahrrad bin ich sehr glücklich. Ich kann nicht genug danken, für alles, was man dort gekriegt hat.“

Karla aus Linz
Karla aus Linz

In diesem Kurs habe ich mich ans Radfahren erinnert, Freunde gefunden, die besten Plätze in Linz kennengelernt, Spaß gehabt und mich amüsiert. Für mich waren das die besten Integrations- und Lernaktivitäten. Vielen Dank!“

Khadra aus Linz

Der Kurs mir hat wirklich gut gefallen, jetzt kann ich ohne Angst auf die Straße fahren. Fürs nächste Jahr würde ich vorschlagen, dass wir einen Ausflug mit dem Fahrrad machen. Und danke für eure Mühe!

Soheila aus Linz

Der Fahrradlernkurs hat mir sehr gut getan. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Ich habe gut Fahrrad fahren gelernt, und ich habe auch einige Fahrradreparaturen gelernt, und ich kann jetzt mit meinem eigenen Fahrrad auf der Straße fahren, nachdem ich in dem Kurs auch einige Verkehrsregeln gelernt habe.“

Sherin aus Vöcklabruck

Ich war gestern bei Sakhra und sie hat mir ihr Fahrrad und ihre Radkünste vorgeführt. Sie ist sehr stolz und das Radfahren erleichtert ihr das Einkaufen. Schön, was euch da gelungen ist – so wertvoll! Danke dafür!

Freundin einer Teilnehmerin aus Vöcklabruck

Wenn es einer Teilnehmerin nach vielen Balanceübungen endlich gelang, die ersten Meter selber zu radeln, sah ich ein unglaubliches Strahlen im ganzen Gesicht, ein Strahlen, das von einem ganz besonderen Erlebnis zeugt. Ich finde es einfach großartig solche Momente miterleben zu können! Bei einer Weiterentwicklung finde ich wichtig, noch mehr Unterstützung anzubieten, um das Radfahren in den Alltag zu integrieren und mit einem aufbauenden Angebot für Fortgeschrittene die motivierten Fahranfängerinnen nach dem Radkurs nicht alleine zu lassen.

Radtrainerin Eliza Brunmayr, Klimabündnis OÖ

Weil Klimaschutz und Selbstermächtigung einfach wichtig sind und Freude machen, braucht es das Projekt Radheldinnen.

Norbert Rainer, Geschäftsführer Klimabündnis OÖ & Klimabündnis Ö

Fahrradfahren gehört nicht in allen Ländern der Welt zu den Kulturtechniken, die Kinder selbstverständlich erlernen. Oftmals scheitert es schon am Geld für ein Kinderfahrrad oder einfach daran, dass radfahrende Mädchen und Frauen in der Kultur des Herkunftslandes unüblich waren. Radlfahren ist jedoch eine gesunde Freizeitbeschäftigung und auch eine kostengünstige und umweltfreundliche Art der Fortbewegung, die zu mehr Selbstständigkeit im Alltag führt. Deshalb haben wir das Projekt „Radheldinnen“ sehr gerne unterstützt und freuen uns auf eine Fortsetzung.

Anja Krohmer, Geschäftsführerin Verein Begegnung – Arcobaleno

Impressionen

Fortführung erwünscht

Eine Fortführung und Weiterentwicklung des Projekts „Radheldinnen“ ist erwünscht. Radfahren ist für alle da, doch nicht alle haben denselben Zugang zu dieser klimafreundlichen, gesunden, günstigen und praktischen Mobilitätsform. Vielfältige Barrieren versperren grundsätzlich radinteressierten Migrantinnen den Zugang zum Radfahren und somit zu einer freien Mobilitätsentscheidung. Da will das Projekt Radheldinnen weiterhin Barrieren abbauen und Frauen am Weg zu Radheldinnen begleiten. Radheldinnen, die voranradeln und Freundinnen, Schwestern, Töchter,… zum Radfahren inspirieren.

Unsere Vision ist, dass in Österreich alle die Chance haben, Radfahren für sich zu entdecken und damit all das Schöne, das wir persönlich mit Radfahren verbinden: Freiheit, Fahrtwind, Wendigkeit, Spontaneität und eine Mobilität, die gesund, umweltfreundlich und kostengünstig ist.

Felicitas Egger und Eliza Brunmayr, das Radheldinnen Projektteam des Klimabündnis OÖ

Partner:innen und Netzwerk

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Weitere Informationen sind auf der Projekt-Webseite zu finden: