Beitrag vom 3. Juni 2025
Eine Radkampagne für die Gemeinde entwickeln – Vorbild Vöcklabruck
Interview mit Thomas Koller aus Vöcklabruck

Viele engagierte Menschen in den Gemeinden arbeiten mit großem Einsatz daran, den Radverkehr in ihrem Heimatort zu stärken. Eine Radkampagne gibt solchen Aktivitäten ein einheitliches Gesicht.
Wie eine solche Radkampagne konkret aussehen kann, erzählt uns Thomas Koller, passionierter Radfahrer und Umweltausschussobmann aus Vöcklabruck im folgenden Interview.
Die Stadt setzt zahlreiche Initiativen zur Förderung des Radverkehrs und dient damit als inspirierendes Beispiel.
So hat alles begonnen
FahrRad Beratung: Wie ist es zur Radkampagne in Vöcklabruck gekommen?
Thomas: Im Herbst habe ich das Amt des Obmanns im Umwelt- & Mobilitätsausschuss übernommen, wo für uns als Fraktion bei der Frage nach der Arbeitsaufteilung logische Konsequenz war, dass ich als begeisterter Radler die Fahrrad-Agenden übernehme. In einem ersten Schritt hab ich die Budgetsituation eruiert und gesehen, dass für bewusstseinsbildende Maßnahmen für den Radverkehr 2000€ zur Verfügung stehen. So stellte sich die Frage, welche Radkampagne sich für diesen geringen Betrag auf die Beine stellen lässt.
Vöcklabrucker:innen zeigen Gesicht fürs Radfahren
FahrRad Beratung: Wofür habt ihr euch entschieden, für welches Thema, welchen Inhalt, welche Umsetzung?
Thomas: Unsere Idee war, Personen aus Vöcklabruck fürs Radfahren Gesicht zeigen zu lassen. Wichtig für mich war auch die großartige Unterstützung der Radlobby Vöcklabruck. Gemeinsam haben wir 15 Alltagsradler:innen ausgewählt, die in ihrer Gesamtheit ein breites Bevölkerungsspektrum abbilden würden, also verschiedenen Alters, Geschlechts und sozialen Milieus entstammen sollten, und die Treffen dazu organisiert. Auch Bürgermeister Peter Schobesberger stellte sich für ein Foto zur Verfügung. Da 2.000€ keine großen Sprünge erlauben und ich selbst Fotograf bin, habe ich die Foto-Shootings mit den 15 Radler:innen selber abgehalten und die Fotos der Stadtgemeinde gratis zur Verfügung gestellt. 30 Plakate im Format A0 wurden aus dem Budget des Umweltausschusses finanziert und in A-Ständern, die von den Stadtparteien ausgeborgt wurden, in Vöcklabruck ausgestellt.



Unterstützung durch die Gemeinde
FahrRad Beratung: Welche Rolle spielte die Gemeinde in diesem Prozess?
Thomas: Das Stadtmarketing Vöcklabruck hat den Namen der Kampagne – „Vöcklabruck radelt – und ich radl mit!“ – beschlossen und das neue Rad-Logo entworfen, das auf jedem Plakat abgebildet ist. Neben diesem Logo prangen auf den Plakaten auch das Logo der Stadtgemeinde Vöcklabruck und das Logo, das die Kampagne als Klimastrategiemaßnahme kennzeichnet. Die Klimastrategie wurde nach einem längeren Prozess, begleitet vom Klimabündnis, 2023 in Vöcklabruck beschlossen.
Bei den Shootings wurden nicht nur Fotos gemacht, sondern auch kurze Videos, und sowohl Erstere als auch Letztere werden von der Stadtgemeinde für ihren Auftritt auf den Sozialen Medien Facebook und Instagram genutzt.
FahrRad Beratung: Welche weiteren Aktionen unterstützen eure Radkampagne, euren Weg zu mehr Radverkehrsanteil?
Thomas: Ich habe im Herbst am online Jour fixe der FahrRad Beratung teilgenommen und war begeistert von den vielen Angeboten der FahrRad Beratung, die fix und fertig sind und mit relativ wenig Aufwand in den Gemeinden implementiert werden können. Folgende Aktionen haben wir heuer schon umgesetzt bzw. sind sie gerade in der Umsetzung: Die Stadt Vöcklabruck nimmt mit 56 Unterveranstaltern (Schulen, Betriebe, Vereine, etc.) teil an „OÖ radelt“. Außerdem läuft auch die in „OÖ radelt“ eingebettete Einkaufsaktion „Alles radlbar“, an der knapp 60 Betriebe teilnehmen. Am 19.05. wurde eine GEHmeindeRADsitzung abgehalten mit 100%iger Beteiligung, sprich 37 von 37 Mandatar:innen sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Sitzung gekommen. Die VS Vöcklabruck hat im Mai für die Aktion „Radeln als Hausaufgabe“ in die Pedale getreten.


Besonders erfreulich sind aber auch andere Initiativen: Beim Radvernetzungstreffen am 09.04. war die business school vöcklabruck eingeladen, ihre Fahrradflotte als „best practice“-Beispiel vorzustellen.
Neuer Workshop: „Radkampagne entwickeln“
Wenn du ebenfalls findest, das Fahrrad sollte als Alltagsverkehrsmittel in deiner Gemeinde noch sichtbarer sein, dann bist du genau richtig in unserem neuen Workshop „Radkampagne entwickeln“. In einem 4-stündigen interaktiven Workshop entwickeln wir gemeinsam eine maßgeschneiderte Kommunikationsstrategie für deine Gemeinde. Wir analysieren den aktuellen Stand, identifizieren Potentiale und entwickeln eine Roadmap, wie das Radfahren in der Gemeinde präsenter wird. Der Workshop ist kostenlos für Gemeinden, die die FahrRad Beratung OÖ gemacht haben. Wenn du Interesse oder Fragen zum Workshop hast, melde dich gerne beim Team der FahrRad Beratung: fahrradberatung@klimabuendnis.at